Selbstreflexion für mehr Gelassenheit

geschrieben von Ralph Kurz am 30.12.2018

Was ist Selbstreflexion? Im Prinzip betrachtet man die Reflexion, also das, was zurückgeworfen wird, von einem selbst. Bei einem Spiegel betrachtet man das von ihm zurückgeworfene Bild.

Meist nach bestimmten Kriterien: "Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der/die Schönste/Hässlichste/was auch immer im ganzen Land?"

Und was betrachtet man bei einer Selbstreflexion? Was wirft da eigentlich was zurück?

Ich sehe was, was ich sonst nicht sehe

Einen Spiegel benötigt man vor allem dafür, die Dinge zu sehen, die man ohne Weiteres nicht sehen kann. Wie soll man sonst sein eigenes Gesicht sehen?

Daher ist Selbstreflexion zum einen der Versuch, die Dinge zu erkennen, die man sonst nicht sieht. Erst im Spiegel oder mit Hilfe von Rückmeldung anderer Menschen erkenne ich, dass ich bspw. einen Fleck im Gesicht habe. Der Spiegel kann natürlich auch das eigene Denken und Fühlen sein.

Selbstreflexion

Nur was ausgesendet wird, kann reflektiert werden

Auf der andere Seiten ist Selbstreflexion auch eine Form des bewussten Sammelns von Ergebnissen aus eigenen Handlungen (Feedback).

Dafür muss man selbst etwas aussenden, damit es zurück kommen kann. Üblicherweise ist es eine Form von Intention, die durch entsprechende Handlungen in die Welt gebracht wird, dort als Ursache seine Kreise zieht und eventuell in Form von Ergebnissen wieder zurückkommt - reflektiert wird - als Ursache für weitere Handlungen.

Beispiel: Ich möchte gelassener werden, meditiere jeden Tag 10 Minuten und fühle mich nach einer Woche gelassener als die Woche zuvor.

Selbstreflexion im Kreislauf

Das kennst du vielleicht vom Schminken: du korrigierst so lange in deinem Gesicht herum, bis es dir gefällt. (sorry, das klingt jetzt echt übel) (oder solange, bis du denkst, dass es anderen gefällt) (ok, noch übler geht immer) (Ich habe nichts gegen Schminken und nutze die anschauliche Metapher dafür, dass man direkte Rückmeldung aus eigenen Handlungen im Spiegel erhält)

Auf jeden Fall unternimmst du solange Handlungen, bis die Reflexion deinen Vorstellungen entspricht (das sind ziemlich viele Bilder, mit denen man es zu tun hat).

Ähnlich ist es in der Interaktion mit der Welt: du passt solange deine Intentionen und Handlungen an, bis ein gewünschtes Ergebnis erreicht ist.

Doch bei dieser Interaktion mit der Welt gerät dieser Kreislauf manchmal ins Stocken: man findet sich mit einem bestimmten Bild, mit einer bestimmten Reflexion ab: "Ich bin halt so."

Das sind häufig kritische Stellen in der eigenen Entwicklung, in denen systematische, beständige Arbeit sowie Hilfe von anderen lohnenswert sein kann, wenn man bereit ist, den "Preis" dafür zu bezahlen. Aber das Thema gehört hier jetzt nicht hinein.

Nicht verzweifeln, vertrauen!

Beim Schminken hat man sehr schnell ein Ergebnis (immer in Entsprechung seiner Fähigkeiten). In der Interaktion mit sich selbst und der Welt ist der Spiegel etwas zäher: es dauert manchmal, bis sich interpretierbare Ergebnisse einstellen. Selbst Fehlinterpretationen sind möglich. Was zählt, ist Vertrauen, vor allem in die eigenen Fähigkeiten:

You can't connect the dots looking forward; you can only connect them looking backwards. So you have to trust that the dots will somehow connect in your future. You have to trust in something – your gut, destiny, life, karma, whatever. -Steve Jobs

Du kannst die Punkte nicht verbinden, wenn Du nach vorne schaust. Du kannst sie nur verbinden, indem du nach hinten schaust. Du musst also darauf vertrauen, dass sich die Punkte in deiner Zukunft irgendwie verbinden. Du musst dich auf etwas verlassen - deinen Bauch, dein Schicksal, dein Leben, dein Karma oder was auch immer. -Steve Jobs

Wie interpretiere ich ein reflektiertes Bild?

Komische Frage, oder? Beim Spiegelbild ist es so: manchmal schaut man in den Spiegel, um zu schauen, wie "schön" man ist, ob die Zähne sauber sind, die Haare geordnet oder was denn da so juckt.

Da es mir um Gelassenheit geht, möchte ich also das (wieder) auf mich Zurückgeworfene dahingehend untersuchen, wie es um meine Gelassenheit steht, was ich dafür oder dagegen getan oder gelassen habe. (Man könnte noch so viel über Selbstreflexion schreiben...)

Selbstreflexion

Selbstreflexions­fragen für mehr Gelassenheit

Wann habe ich in der Vergangenheit das letzte mal Gelassenheit gefühlt bzw. wann war ich gelassen?

Welche Faktoren haben eine Rolle gespielt? In der Umwelt, im Denken, Fühlen und Handeln? Welche meiner besonderen Fähigkeiten habe ich eingesetzt?

Was hat mich in den letzten Tagen "ungelassen" gemacht?

Welche Umstände, Menschen, Gefühle oder Handlungen waren beteiligt?

Welche Urteile und Meinungen habe ich darüber?

Könnte es auch anders sein?

Welche guten Absichten könnten dahinter stecken?

Was kann ich tun, um in mein Leben mehr Gelassenheit einzuladen?

Mit welchen Fähigkeiten kann ich dazu beitragen, mein Leben gelassener zu gestalten?

Welche Themen machen mir Sorgen, Ängste oder Beunruhigung?

Was kann ich tun, damit es davon weniger gibt?

Welche Fähigkeiten darf ich investieren, um mehr Gelassenheit zu erlangen? (meine Kreativität, meine Beharrlichkeit, mein Sinn für Humor, meine Courage?)


Wichtig ist mir, dass du erkennst, dass Selbstreflexion ein Teil eines Kreislaufes zu mehr Gelassenheit ist. Einfach dargestellt: Handeln -> Reflexion interpretieren -> Handeln (auf Basis neuer Erkenntnisse) -> usw.

P.S.: Schreibe deine Selbstreflexionen, Antworten, Fragen und Intentionen auf: Mit Schreiben zu mehr Gelassenheit


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