Von Ralph Kurz am 03.01.2020

Es gibt Dinge im Leben, die man nicht ändern kann. Eine einfache Lösung ist, sich darüber aufzuregen oder zu leiden. Das machts nicht besser, aber man ist beschäftigt, kann sich so richtig "im Dreck suhlen" und seine Opfermentalität trainieren. Ok, das klingt böse, aber tatsächlich fällt mir nichts dazu ein, warum das sinnvoll sein sollte, wenn man ein eigenverantwortliches Leben leben möchte.

(Leiden und Opfermentalität haben häufig einen sozialen Sekundärnutzen: man bekommt (unaufgefordert) geholfen; das ist vor allem bei schweren Schicksalsschlägen sehr hilfreich und eventuell lebensrettend. Mir geht es in diesem Beitrag um Sorge und Ärger um die vielen "Kleinigkeiten", mit denen man sein Leben verplempert.)

Sinnvoller ist es, vielleicht, sich mit den Dingen zu arrangieren, die man nicht ändern kann; also zu akzeptieren, etwas daraus zu lernen und bestenfalls sogar Chancen darin zu erkennen.

Der erste Schritt ist

1. Erkenne, was genau nicht geändert werden kann

Es gibt 3 Themenbereiche, die man nicht ändern kann:

  1. Die Vergangenheit - deswegen heißt sie ja auch so

  2. Andere Menschen - man kann sie zwar beeinflussen, aber man kann sie nicht kontrollieren.

  3. Naturgesetze - Man kann einen Vulkanausbruch nicht mehr rückgängig machen oder immer voraussehen - auch die Vergänglichkeit allen Lebens ist ein Naturgesetz

Ja, das alles kann einen ziemlich das Hirn oder die Seele zermahlen. Wie also kannst du lernen, das zu akzeptieren und aus dem Grübelloch wieder herauskommen?

2. Trauere über das, was nicht geändert werden kann

Was? Trauern? Ja, lass es raus. Wenn dich etwas ankotzt, weil du es nicht ändern kannst, dann lass sinnvoll Dampf ab ohne dir und anderen zu schaden. Diese Emotionen sollen sich nicht festfressen.

Das dauert eine Weile. Und es wird keine einmalige Aktion sein. Es kann sein, dass du über das Thema mehrmals trauern "musst". Das ist ok so. Es ist ein Prozess.

3. Sei dankbar für das, was bleibt

Bei vielen Veränderungen im Leben gibt es auch Konstanten oder Dinge, die schon länger da sind und da bleiben. Das kann eine gute Beziehung sein, das kann ein guter Arbeitsplatz oder gute Freunde sein. Frieden, ein warmes und trockenes Zuhause, Nahrung oder sauberes Wasser sind bspw. nicht für alle Menschen so selbstverständlich wie für uns.

Zu schauen, wofür du dankbar sein kannst, hilft dir auch dabei, den eingeengten Fokus zu erweitern und die Situation aus einer positiveren Einstellung heraus zu bewältigen.

4. Nutze die Dinge, die du ändern kannst!

"Was wäre wenn"-Phantasien sind Öl in das Feuer, das einem aus dem dunklen Abgrund einer depressiven Verstimmung entgegen peitscht. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Bei all diesen Phantasien übersiehst du vielleicht die Dinge, die du wirklich ändern kannst. Möglichkeiten und Chancen, die du ändern kannst, wenn du dich dazu entscheidest.

Was hier helfen kann, ist, dass du dich schriftlich mit dem Problem auseinander setzt. Mehr dazu habe ich in diesem Beitrag geschrieben.

In der schriftlichen Auseinandersetzung erkennst du vielleicht Aspekte, die du ändern kannst. Dann stellt sich häufig die Frage nach dem Wie: Wie kannst du lernen, mit der neuen "Einschränkung" oder dem neuen Problem umzugehen? Gibt es andere Menschen, die das schon gemeistert haben?

Diese Perspektive einzunehmen ist das, was man unter seiner Kontrolle hat; genauso, in diese Richtung zu entscheiden und zu handeln.

Damit ergeben sich neue Ziele und sinnstiftende Tätigkeiten. Und vielleicht hast du dann auch keine Zeit mehr, dich mit den Themen auseinanderzusetzen, die sowieso nicht mehr funktionieren.

Schreibe die neuen Ziele und sinnstiftenden Tätigkeiten auf. Wenn du dich in einer erneuten Trauerphase zu diesem Thema befindest, kannst du dir mit deinen Aufzeichnungen die Phase etwas verkürzen.

Sehr stark inspiriert von diesem Artikel.